EnEV 2014:

Seit 1.01.2016 muss der Nachweis des Wärmeschutzes von Neubauten gemäß EnEV 2014 geführt werden.

Neubau gemäß EnEV 2014 (Deutschland)

In Deutschland muss im Rahmen des Bauantragsverfahrens nachgewiesen werden, dass der Neubau einen bestimmten Energiebedarf nicht überschreitet. Dies schreibt die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) vor.

Sie ist seit dem 1. Mai 2014 in Kraft und regelt die Anforderungen an die energetische Qualität für Neubauten und Bestandsgebäude in den Bereichen Nichtwohnungsbau und Wohnungsbau. Falls Sie einen Neubau planen oder die Sanierung Ihres Altbaus ansteht, stellt die EnEV 2014 die wesentliche rechtliche und planerische Grundlage für Ihr Vorhaben dar. 

Die EnEV 2014 ersetzt ihre Vorgängerverordnungen von 2002, 2004, 2007 und 2009. Für den Neubaubereich bedeutet das noch keine Senkung des Energiebedarfs gegenüber den bisherigen Anforderungen der EnEV 2009. Nach wie vor ist als wesentliche Anforderungs-
größe und als Gradmesser der Umweltbelastung der Jahres-Primärenergiebedarf zu berechnen. Bei Wohngebäuden setzt er sich zusammen aus dem Wärmebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung sowie den Verluste der gesamten Anlagen-
technik einschließlich der vorgeschalteten Prozesskette bei der Gewinnung, dem Transport und der Umwandlung der Energie.

Das bedeutet: Für jeden Neubau muss eine umfassende Energiebilanz erarbeitet werden. Sie wird in einem Energiebedarfsausweis zusammengefasst, der Teil des bautechnischen Nachweises ist. Er wird von dafür qualifizierten Fachleuten ausgestellt.

In der EnEV 2014 sind bereits die Verschärfungen enthalten, die seit dem 01.01.2016 in Kraft getreten sind: Wohngebäude, für die seit diesem Zeitpunkt ein Bauantrag gestellt wird, müssen nun einen 25% niedrigeren Jahres-Primärenergiebedarf einhalten.
Praktisch wird folgendermaßen verfahren: Es wird zunächst wie vorher der Jahres-
Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes berechnet und dann das Ergebnis mit 0,75
multipliziert. Der zulässige Höchstwert ist somit um ein Viertel gemindert; oder anders
ausgedrückt: Die Anforderung an den Jahres-Primärenergiebedarf wird mit Wirkung
zum 01.01.2016 um 25% erhöht.

Wohngebäude

Die EnEV 2014 bietet eine gewisse Flexibilität bei der praktischen Umsetzung des energiesparenden Bauens. Im Grundsatz wird nur ein Zielwert, der maximale Primärenergiebedarf, vorgegeben, nicht jedoch der Weg, wie dieser Wert erreicht werden kann. Somit haben Planer und Ausführende die Möglichkeit, alle Maßnahmen gegeneinander abzuwägen, um den geforderten Zielwert einzuhalten. So kann zum Beispiel ein etwas schlechterer Gebäudedämmstandard durch eine sehr gute Anlagentechnik kompensiert oder bei einem sehr guten Dämmkonzept auf eine besonders aufwändige Anlagentechnik verzichtet werden.

Als Nebenanforderung ist ein baulicher Mindest-Dämmstandard festgelegt
Durch Verbesserungen der Anlagentechnik lässt sich manchmal leichter eine Reduktion des Primärenergiebedarfs erzielen als durch bauliche Optimierungen. Es sollte bei der Planung jedoch berücksichtigt werden, dass bauliche Maßnahmen langlebiger sind als anlagentechnische und dass sich im Nachhinein bauliche Veränderungen wesentlich aufwändiger darstellen. Um einen Mindeststandard beim baulichen Wärmeschutz sicherzustellen, verlangt die EnEV 2014 deshalb einen maximal zulässigen Transmissionswärmeverlust als Nebenanforderung (siehe nachfolgende Tabelle), der ab 01.01.2016 etwa 20% unter diesen Anforderungen liegen wird.

Maximal zulässiger spezifischer, auf die
wärmeübertragende Hüllfläche bezogener Transmissionswärmeverlust HT',max:

HT',max
= 0,40 W/(m²K)

freistehendes Einfamilienhaus mit einer Nutzfläche <= 350 m²

HT',max
= 0,50 W/(m²K)

freistehendes Einfamilienhaus mit einer Nutzfläche   > 350 m²

HT',max
= 0,45 W/(m²K)

einseitig angebautes Wohngebäude

HT',max
= 0,65 W/(m²K)

alle anderen Wohngebäude


Es sind zusätzlich Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz einzuhalten. Außerdem müssen die Häuser so ausgeführt werden, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist. Gleichzeitig ist aber der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sicherzustellen. Schließlich soll der Einfluss konstruktiver Wärmebrücken auf den Jahres-Heizwärmebedarf nach den anerkannten Regeln der Technik und den im jeweiligen Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich gehalten werden.

In den meisten Fällen dürfte eine ausgewogene Qualität in beiden Bereichen zu den wirtschaftlichsten Ergebnissen führen. Die Spielräume lassen sich am besten nutzen, wenn die Verordnung vor allem als Planungshilfe aufgefasst wird, um wirtschaftliche und/oder ökologische Optimierungen für eine konkrete Planungssituation zu entwickeln. Die komplexe Gesamtbilanzierung eines Gebäudes schafft einerseits Gestaltungsspielräume, lässt andererseits aber Umfang und Aufwand der Gebäudeplanung deutlich ansteigen. Vor allem haben sich durch die zusätzliche Einbindung der Anlagentechniken Lüftung und Kühlung weitere Änderungen für den Planungsprozess ergeben.

In der Regel setzt dies voraus, dass sich Bauherr, Planer und Handwerksbetriebe bereits in einer frühen Planungsphase abstimmen. Gerade hier aber läuft vieles noch längst nicht optimal. Über die EnEV-Anforderungen hinaus gibt es nach wie vor zu hohe Reibungsverluste zwischen den Gewerken in der Bauphase, oft leider mit negativen Folgen für die Ausführungsqualität.

 

Anlagen-Aufwandszahl (Primärenergie-Aufwandszahl)
Eine sinnvolle Gebäudeplanung ohne frühzeitige Berücksichtigung der gesamten Anlagentechnik ist kaum noch möglich. Das gilt vor allem wegen der Dimension, mit der die Anlagen-Aufwandszahl Einfluss auf den Primärenergiebedarf eines Gebäudes hat. Sie kann bereits bei gebräuchlichen Anlagen, die auf den ersten Blick durchaus ähnlich sind, um 50% auseinander liegen, wohlgemerkt bei ansonsten vergleichbaren Häusern. Die Anlagen-Aufwandszahl (eP), manchmal auch als Primärenergie-Aufwandszahl bezeichnet, ist der gemäß EnEV 2014 entscheidende Maßstab für die ökologische Gesamteffizienz eines Anlagensystems. Sie umfasst alle anlagentechnischen Verluste eines Wärmeerzeugungssystems (Raumwärmeerzeugung, Warmwasserbereitung, Lüftung) einschließlich der benötigten Hilfsenergie (Strom) und wird auf Primärenergie bezogen. Wegen der zusätzlichen Verpflichtung zum Einsatz erneuerbarer Energieträger (durch das Erneuerbare Energien-Wärmegesetz 2011), die die Umwelt nur wenig belasten und daher mit kleinen Primärenergie-Faktoren versehen sind, kann die Anlagen-Aufwandszahl deutlich kleiner sein als 1 (sehr gut). Schlechte Anlagen-Aufwandszahlen können aber auch deutlich über 1 liegen.
Dieser Umstand bietet Chancen und Missbrauchsmöglichkeiten: So könnte sich ein Planer dazu verleiten lassen, dem baulichen Wärmeschutz nur geringe Aufmerksamkeit zu widmen und nur durch die entsprechende Anlagentechnik einen hervorragenden Wert für den Primärenergiebedarf zu erzielen. Es liegt auf der Hand, dass ein solcher Weg weder wirtschaftlich noch im Sinne der Verordnung ist. Aus diesem Grunde ist die Nebenanforderung an einen maximalen Transmissionswärmeverlust formuliert (siehe Tabelle oben). Die deutlichen Unterschiede, die zwischen Anlagen-Aufwandszahlen liegen können, sind natürlich auch ein Hinweis darauf, dass die Optimierung der Anlagentechnik ein äußerst wirksamer Hebel ist, die energetische Qualität eines Gebäudes zu verbessern.
Die Berechnung der Anlagen-Aufwandszahl ist in einer Norm geregelt.
Die Ermittlung der Anlagenaufwandszahl für den EnEV-Nachweis erfolgt auf der Basis der Norm DIN V 4701 Teil 10. Darin sind systematisch alle Anlagenaspekte, die mit der aktiven Wärmeversorgung eines Gebäudes zusammenhängen, erfasst. Diese Erfassung erfolgt in den Bereichen Heizung, Trinkwassererwärmung und Lüftung, die unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen untereinander zusammengeführt werden.

Nachweisverfahren über ein Referenzwohnhaus
In der EnEV von 2002, 2004 und 2007 musste der Jahres-Primärenergiebedarf eines neuen Wohnhauses in Bezug auf den Formfaktor (A/V-Verhältnis), d.h. an das berechnete Verhältnis zwischen der wärmeübertragenden Umfassungsfläche (A in m²) und das darin eingeschlossene, beheizte Bauvolumen (Ve in m³) eingehalten werden. Dies wurde bereits mit der EnEV 2009 abgeschafft.

Seitdem (also auch gemäß EnEV 2014) darf der berechnete Jahres-Primärenergiebedarf des zu errichteten Wohnhauses den Jahres-Primärenergiebedarf eines entsprechenden Referenz-Wohnhauses nicht überschreiten: Das Referenz-Wohnhaus hat die gleiche Geometrie, die gleiche Gebäudenutzfläche sowie die gleiche Ausrichtung wie das geplante Wohnhaus. Die Angaben für seine Ausführung, d.h. für die energetische Qualität der einzelnen Bauteile der Gebäudehülle – Außenwand, Dach, Fußboden, Decke, Fenster, usw. – sowie für die Luftdichtheit und die Anlagentechnik stellt die EnEV 2014 in einer Tabelle bereit.

Zwei Rechenverfahren (DIN V 18599 oder DIN V 4108) sind anwendbar.
Zur Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs für den Neubau und das entsprechende Referenzwohnhaus kann der Planer zwischen zwei Methoden frei wählen. Wichtig ist, dass er dabei dieselbe Rechenmethode sowohl für das geplante, als auch für das Referenzhaus verwendet:
- Berechnung gemäß DIN V 18599 (Energetische Bewertung von Gebäuden)
- Berechnung nach der bekannten Methode gemäß DIN V 4108 (Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden), Teil 6 (Berechnung des Jahresheizwärme- und des Jahresheizenergiebedarfs) in Verbindung mit der DIN V 4701 (Energetische Bewertung heiz- und raumlufttechnischer Anlagen), Teil 10 (Heizung, Trinkwassererwärmung, Lüftung).
Während seit der EnEV 2007 alle Nichtwohngebäude bereits auf Grundlage der DIN V 18599 und dem darin vorgeschriebenen Referenzgebäudeverfahren berechnet werden müssen, lässt die EnEV 2014 dieses Verfahren für Wohngebäude als Alternative zur DIN V 4108 zu.

Ausstellungsberechtigt (§ 21 EnEV 2014)
Der Energieausweis wird im Rahmen eines bauordnungsrechtlichen Verfahrens ausgestellt (§ 16  EnEV 2014). Die Voraussetzungen werden durch die Bundesländer selbst festgelegt. In der Regel sind die Planverfasser, also Architekten oder sonst in der Ingenieurkammer des Landes als Planverfasser aufgeführte Personen (Bauvorlageberechtigung) berechtigt, den Ausweis auszustellen. Oft zieht dieser (eingeschränkte) Personenkreis Sachverständige, z.B. Ingenieurbüros oder Energieberater heran, ist aber mit der Unterschrift verantwortlich für die Richtigkeit des Energieausweises.

 

Nichtwohngebäude

Gegenüber der EnEV 2009 sind die Anforderungen gleich geblieben.
Zu errichtende Nichtwohngebäude sind gemäß den Anforderungen der EnEV 2014 so auszuführen, dass der Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung, Kühlung und eingebaute Beleuchtung den Wert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Nettogrundfläche, Ausrichtung und Nutzung nicht überschreitet. Außerdem ist ein spezifischer, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärmetransferkoeffizient einzuhalten. Zusätzlich gelten auch hier wie bei den Wohngebäuden bestimmte Mindestanforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz und die Luftdichtheit.
Grundlage der Berechnung ist die DIN V 18599 "Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung" von 2011.
Sie besteht aus 10 Teilen und umfasst mehrere hundert Seiten.
Damit erfordert die Ausstellung des Energieausweises für neue Nichtwohngebäude umfangreiche Kenntnisse der DIN V 18599 und von weiteren (nicht nur Heizung und Warmwasser) technischen Anlagen wie Lüftung, Kühlung und Beleuchtung, aber auch alternativen Energieversorgungssystemen.

Ausstellungsberechtigt (§ 21 EnEV 2014)
Trotz wesentlich erhöhter Anforderungen gelten hier die gleichen Voraussetzungen wie bei Wohngebäuden: Der Energieausweis wird im Rahmen eines bauordnungsrechtlichen Verfahrens ausgestellt (§ 16 EnEV 2014). Die Voraussetzungen werden durch die Bundesländer selbst festgelegt. In der Regel sind die Planverfasser, also Architekten oder sonst in der Ingenieurkammer des Landes als Planverfasser aufgeführte Personen (Bauvorlageberechtigung) berechtigt, den Ausweis auszustellen.
In der Regel wird vor allem wegen des fehlenden Sachverstands dieser Personenkreis andere Sachverständige, z.B. Ingenieurbüros oder Energieberater heranziehen (müssen), ist aber mit der Unterschrift verantwortlich für die Richtigkeit des Energieausweises.

 
 
 
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