Fachinfos

Dachfenster

Das Dachfenster ist ein Fenster im Dach ei­nes Gebäudes zur Belichtung und Belüftung des Dachraumes. Bei zu Wohnzwecken aus­gebauten Dachräumen bietet es auch eine Aussicht auf die Umgebung. Anhand der Bauweise lassen sich Dachfenster in zwei Gruppen einteilen.

  • Liegendes Dachfenster: Ein in die Dach­fläche eingelassenes Fenster mit dem glei­chen Neigungswinkel wie das Dach. Es wird deshalb oft auch als Dachflächenfenster be­zeichnet.

  • Stehendes Dachfenster: Ein Fenster in einer Gaube.

Dachflächenfenster sind in der Breite auf die üblichen Sparrenabstände abgestimmt und kommen beim Neubau und beim nach­träglichen Ausbau des Dachraums zum Ein­satz. Zum Öffnen lassen sie sich entweder um ihre waagerechte Mittelachse kippen oder sie schwingen mit dem Drehpunkt am oberen Ende des Rahmens auf.

Marktführer in Deutschland sind die Her­steller Roto und Velux sowie Fakro. In Be­zug auf Formen, Farben und Funktionalität lassen sie heute keine Wünsche mehr offen. Beim Wärmeschutz besteht allerdings noch deutliches Entwicklungspotenzial.

Wie bei den „normalen“, senkrecht in Wänden eingebauten Fenstern ist auch für ein Dachflächenfenster die entscheidende Angabe der Uw-Wert. Während bei Ersteren Werte von 0,6 bis 0,8 W/(m²K) kein Problem sind, liegen 98% aller neuen Dachflächen­fenster im Bereich von 1,2 bis 1,6 W/(m²K) - laut Herstellerangabe. Der Grund liegt im Einsatz von nicht besonders gedämmten Rahmen sowie (deshalb vergleichsweise gu­ten) 2-Schei-ben-Wärmeschutzverglasungen z.B. mit Uw = 1,1 W/(m²K). Bestehende Dach­fenster sind davon noch „meilenweit“ weg.

Angesichts der steigenden Anforderun­gen an das energiesparende Bauen ist damit das Dachflächenfenster bei ausgebauten Dachgeschossen (neben der Hauseingangs­tür) das nach wie vor „schwächste“ Bauteil. Hier ist unbedingt auf bessere Wer­te und Produkte zu achten - aber nicht nur da­rauf.

Geneigt ist anders

Der Nachweis des Ug-Wertes erfolgt auf Ba­sis des Rechenverfahren nach EN 673. Vorausgesetzt wird dabei aber der senkrechte Einbaufall der Verglasung! Gleiches gilt für den Nachweis auf Grundlage des Messver­fahrens nach EN 674. Tatsache ist: Bei geneigten Verglasungen, also vor allem bei Dachflächenfenstern, er­höht sich der Ug-Wert aus physikalischen Gründen. Die Veränderung ist derart groß, dass sie nicht einfach vernachlässigt wer­den darf. Ursache für die Zunahme des Ug-Wertes ist die Konvektion im Scheibenzwi­schenraum, die mit Zunahme der Glasnei­gung ansteigt und damit den Wärmetrans­port nach außen erhöht. Die größten Effekte treten bei der 2-fach-Verglasung auf. Die Verände­rung bzw. Verschlechterung des Ug-Wertes einer mit Argon gefüllten Wärmeschutzver­glasung in Abhängigkeit vom Neigungswin­kel ergibt sich wie folgt: Das Glas erreicht statt dem Normwert 1,1 bei 90° nur noch 1,4 bei 60° und bei einer üblicher Dachneigung von 30° nur einen tatsächlichen Wert von 1,6 W/(m²K).

Was heißt das für die Praxis?

Der Uw-Wert eines üblichen Dachflächen­fensters (1,23 m x 1,48 m, Rahmenfläche 0,55 m², Glasfläche 1,27 m², Randverbund­länge 4,54 m) mit Ug = 1,1 W/(m²K), Alu­minium-Abstandhalter und Uf = 1,5 W/(m²K) beträgt bei einem Neigungswinkel von 30° nicht
1,4 W/(m²K), sondern gerade einmal 1,8 W/(m²K). Das ist eine Verschlechterung von fast 30%!

Für die CE-Kennzeichnung und als Anga­be zu Werbezwecken müssen die Hersteller wegen der derzeitigen Normungslage den Uw-Wert für die senkrechte Einbaulage an­geben. Grundsätzlich sollten sie deshalb ihre Kunden darauf hinweisen, dass ihr dekla­rierter U-Wert für den senkrechten Einbau­fall bemessen wurde und sich in geneigter Einbaulage (deutlich) erhöht.

Während die Wärmeverluste bei 2-fach-Verglasungen mit Zunahme der Neigung stark ansteigen, ist der Effekt bei 3-fach-Wärmeschutzverglasungen viel geringer. Das Glas erreicht mit einem Normwert von z.B. 0,7 bei 90° auch 0,7 bei 60° und bei einer üblicher Dachneigung von 30° einen tatsächlichen Wert von 0,8 W/(m²K).

Nicht nur deshalb wird empfohlen, beim Neubau wie bei der Sanierung nur noch Dachflächenfenster mit einer guten 3-fach-Verglasung einzubauen. Die Hersteller haben dazu be­reits erste Angebote in ihren Programmen aufgenommen, mit deklarierten Uw-Werten von 0,85 bis 0,90 W/(m²K). Wichtig ist auch hier ein optimierter Glasrandverbund, um Tauwasser auf der inneren Scheibenoberfläche zu vermeiden.

Sommerlicher Wärmeschutz

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei den Dachfenstern ist der sommerliche Wärme­schutz. Denn es nützt gar nichts, wenn bei der Dachkonstruktion selbst zwar darauf geachtet wird, die Sonne aber („die ist nicht blöd“) im Sommer ihren Weg leicht durch das Fensterglas in den Dachraum findet und diesen auf Saunatemperatur aufheizt.

Innen angebrachte (und gerne mit ver­kaufte) Rollos und Jalousetten helfen hier nicht weiter. Sie dienen nur der Verdunk­lung. Geeignet sind nur außen liegende Markisen oder Rollläden, welche die Sonne tagsüber tatsächlich „aussperren“ - falls sie genutzt werden.

  

Außentemperaturen und Gradtagzahlen im Vergleich

Aus der stets aktualisierten Datenbank des IWU (Institut Wohnen und Umwelt) aus Darmstadt wurden für 8 über Deutschland verteilte Städte die Außentemperaturen und Gradtagzahlen (Heizgrenze 15°) der Jahre 2000 bis 2010 ausgelesen und mit dem jeweiligen 41-jährigen Mittel (1970 bis 2010) verglichen.

Die "wärmsten" Städte sind Düsseldorf und Frankfurt a.M., am kältesten ist es im Allgäu in Kempten.

2010 war in den letzten 11 Jahren das mit Abstand kälteste Jahr und damit tendenziell ein spürbarer „Ausreißer“, wie die Einzelauswertungen zeigen.

Dennoch: Trotz dieses Ausreißers 2010 wurde es im Durchschnitt in allen 8 Städten wärmer! Auffällig ist, dass in Kempten die mittlere Außentemperatur in den letzten 11 Jahren im Vergleich mit dem 41-jährigen Mittel deutlich gestiegen ist.

Entscheidend für den Energieverbrauch eines Hauses aber ist die Gradtagzahl:
Am wenigsten verbrauchen Gebäude in Düsseldorf und Frankfurt, dann kommt Berlin. Zwischen Hamburg, Saarbrücken und München bestehen interessanterweise kaum Unterschiede, während in Augsburg und Kempten die Gebäude die meiste Wärme zur Raumheizung benötigen (die Bewohner Kemptens haben einen gut 35% höheren Wärmebedarf als die Düsseldorfer). Auch hier ist die Tendenz klar: Es wird kontinuierlich wärmer, das Mittel der Gradtagzahlen 2000 bis 2010 ist gegenüber dem 41-jährigen Mittel zum Teil deutlich gesunken. Deshalb benötigen die Häuser aufgrund der Klimaerwärmung immer weniger Heizwärme.

Die Zahlen in der Zusammenfassung und im Einzelnen finden Sie als PDF zum kostenfreien Download hier!

 
 
 
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